Martina hat mit Ihrer Gruppe gerade einen Zwischenstopp auf Ihrer Reise in den Süden eingelegt. Ein bisschen von dem anstrengenden Flug erholen und Nahrung suchen. Plötzlich ein lauter Knall, ein stechender Schmerz – Martina und Ihre Gruppe versuchen zu flüchten. Vermutlich schaffen es nicht alle, Martina gelingt es aber trotz starker Schmerzen weg zu fliegen. Nicht weit, aber gottseidank weit genug um nicht vom Hund des Jägers aufgespürt und qualvoll zu Tode geschüttelt zu werden.
Martina landet bei einem kleinen Teich in der Nähe von Teesdorf, der Rest Ihrer Gruppe, der den Angriff überlebt hat, fliegt weiter – sicher sind auch noch andere Mitglieder verletzt von dem feigen Angriff mit einem Schrotgewehr.
Martinas Körper schmerzt. Sie kann nicht mehr aufstehen, bleibt sitzen.
Einem aufmerksamen Passanten fällt die einsame Graugans auf, er nähert sich vorsichtig. Martina versucht weg zu fliegen, kann sie aufgrund ihrer schweren Verletzungen aber nicht. Sie sackt zusammen.
barbarische Jagdmethoden in NÖ erlaubt – eine Tierrettung aber nicht
Das Land Niederösterreich erlaubt zwar nach wie vor barbarische Jagdmethoden, wie zum Beispiel die Baujagd oder das Schießen mit Schrot auf eine Gruppe Wildgänse, den Aufbau einer Tierrettung für Haus- und Wildtiere erlaubt es aber nach wie vor nicht. Der Passant erinnert sich aber, dass er bereits vor einem Jahr ganz in der Nähe eine verletzte Ente gefunden hat. Wieder ruft er unsere Notfall-Nummer an und erklärt die Lage „flugunfähige Gans“. Wir besprechen kurz, wie er die Gans sichern kann. Er packt sie in einen großen Karton und bringt sie zu uns.
Eine Pflegerin erwartet ihn bereits am Empfang. Die Graugans, der wir später den Namen „Martina“ geben, wird sofort untersucht. Rasch finden wir das Problem: ein Bein, das regungslos herunterhängt. Ein Röntgen bestätigt die Vermutung: ein Splitterbruch des Oberschenkels. Der Knochen wurde von einem Projektil zerfetzt Das Röntgen zeigt auch weitere Schrotkugeln im Körper. Das Streumuster lässt darauf schließen, dass aus (für ein Schrotgewehr) relativ großer Entfernung geschossen wurde.
Wie feig muss jemand sein, um mit einer Ladung Schrot aus 30 bis 50 Metern auf eine Gruppe Gänse zu schießen? Wohl unfähig, mit einer Kugel und einem gezielten Schuss ein Einzeltier zu erlegen, wird so eine große Anzahl der Tiere schwer, aber nicht tödlich verletzt. Die meisten werden es – wie Martina – geschafft haben, zu flüchten. Wie viele davon das Glück hatten, von einem aufmerksamen Tierfreund gefunden und gerettet zu werden und wie viele von Ihnen irgendwo qualvoll verhungert sind, wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist, dass diese – leider immer noch legale! – Art der Jagd nichts mit „Sport“ oder „waidgerechter Jagd“ zu tun hat. Es ist nur ein feiges, unmenschliches Verhalten. Der „heldenhafte“ Jäger, der, mit den Tieren, die es nicht mehr weggeschafft haben, seine Familie und Freunde mit „frisch erjagten“ Martini-Gänsen versorgt, sollte alles andere als „stolz“ auf seine „Jagd“ sein!
Martina wird nach Operation vom Tierschutz Austria weiter versorgt
Martina wurde von uns in einer eineinhalbstündigen Operation versorgt. Der Splitterbruch wurde mit einer Titan-Platte versorgt. Bei Tierschutz-Austria darf Martina sich von ihrer Verletzung erholen. In einem Monat werden wir sie für eine Kontrolle wieder sehen, wenn alles gut geht, können wir in rund zwei Monaten die Titanplatte wieder entfernen und Martina darf sich im Frühling, wenn ihre Artgenossen aus dem warmen Süden zurück nach Europa kommen, einer neuen Gruppe von Wildgänsen anschließen.
Wenn Sie in Ihrer Martini-Gans eine Schrotkugel finden, erinnern Sie sich an Martina und Ihre Familie. Vielleicht möchten Sie heuer eine „Gans-lose“ Alternative ausprobieren? Sie werden merken, dass es, gut zubereitet, sehr schmackhafte Alternativen gibt – bei denen besteht dann auch nicht die Gefahr, sich einen Zahn auszubeißen, wenn doch noch eine Schrotkugel im Essen ist…
Wenn Sie unsere Arbeit und die der Tierschützer unterstützen wollen, freuen wir uns über eine Spende für unseren Notfall-Fonds. Auch Tierschutz Austria freut sich über eine Spende für die Versorgung zahlreicher Haus- und Wildtiere wie Martina!
Sie wollen aktiv mithelfen? Schauen Sie in unsere Stellenausschreibungen – auch als Quereinsteiger können Sie Tierpfleger werden!








