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Kranke Streunerkatze sitzt im verschneiten Wald auf einem schmalen Pfad, nasses Fell und müder Blick, Schneeflocken fallen im Hintergrund.

Tierschutz-Projekt „Streuner-Kastration“ – der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Dass Tierschutz in Niederösterreich keinen besonders hohen Stellenwert hat, ist für Tierschützer leider nichts Neues. Auch, dass die verantwortlichen PolitikerInnen sich gerne gegenseitig die Verantwortung zuschieben und sich hinter längst veralteten Besprechungs-Notizen verstecken, ist leider tägliche Praxis. Wenn es darum geht, endlich aktiv zu werden, ist den verantwortlichen PolitikerInnen oft keine Ausrede zu weit hergeholt.

Dennoch gibt es ein Tierschutz-Projekt, das vom Land Niederösterreich immer wieder sehr gerne medial hervorgehoben wird. Die – sehr wichtige! – Kastrations-Förderung für Streunerkatzen. Auf einem schönen, bunten Folder wird auf mehreren Seiten erklärt, wie wichtig die Kastration von Streunerkatzen ist. Die Bevölkerung wird aufgefordert, Streunerkatzen „an den regionalen Tierschutz“ zu melden und selbst aktiv zu werden. Zur Kastration der Tiere wird auf Tierärzte verwiesen, die eine geplante Kastration, finanziert aus Fördermitteln des Landes, durchführen, wobei das Land 2/3, die Gemeinde 1/3 der Kosten des Kostenanteils für die Kastration übernehmen.

Neben einem schönen Foto, von dem die Tierschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz mit einer Katze am Arm lächelt, bedankt Sie sich am Ende des Folders bei „allen Tierschutzvereinen für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr hohes Engagement auf das Herzlichste!“

Kastrations-Projekte sind enorm wichtig

Klingt großartig! Kastrationsprojekte sind überall auf diesem Planten wichtig, auch in Niederösterreich! – Aber wie sieht das „Vorzeigeprojekt“ unserer Tierschutz-Landesrätin im richtigen Leben aus?

Zwar gibt es viele Gemeinden, die hier unterstützen und „ihr“ Drittel des Förderbetrags (der entgegen der Darstellung im Werbefolder nicht die „Kastrationskosten des Tierarztes“ abdeckt, sondern lediglich ein fixer Kostenbeitrag ist, der vom Land vor langer Zeit festgelegt wurde) übernehmen, so dass das Land Niederösterreich den Rest übernimmt. Leider unterstützen aber bei weitem nicht alle Gemeinden die Bemühungen der Tierschutzvereine, das Leid der Streunerkatzen wenigstens etwas zu lindern.

Kastrationsprojekt des Landes NÖ wird nicht von allen Gemeinden unterstützt

Was dann passiert, ist leider typisch für die gegenwärtige österreichische Politik. Man schiebt sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Schuld, hier nicht helfen zu „können“ (oder zu wollen), ist stets die jeweils andere Partei.

Ein aktuelles Bespiel: „Der Verein ‚Streunerpfoten Thermenregion‚ – wie die meisten anderen Tierschutz-Vereine auch, rein ehrenamtlich betrieben und nur über Spenden finanziert – kümmert sich unter anderem um einige Streuner in der Gemeinde Pottendorf.“ weiß Ing. Marcus Serringer, Geschäftsführer des Tiermedizinischen Zentrums Teesdorf welches sich schon seit Jahren für Verbesserungen im Tierschutz einsetzt.

„Das Ersuchen dafür kam vom Büro des zuständigen Amts-Tierarzts aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung, also von der Bezirkshauptmannschaft selbst. Selbstverständlich sagte der Verein sofort zu, sich auch um die dort ansässigen Streuner zu kümmern, die Tiere einzufangen und – falls erforderlich – kastrieren zu lassen.“ ergänzt Gabriele Arnhof vom Verein Streunerpfoten Thermenregion, selbst seit Jahren leidenschaftliche Tierschützerin.

Gemeinde Pottendorf kann das Kastrations-Projekt des Landes nicht unterstützen

Leider zeigt Pottendorfs Bürgermeister Ing. Thomas Sabbata-Valteiner wenig Verständnis für die Bemühungen der ehrenamtlichen Tierschützerinnen. Das Budget der Gemeinde ließe hier leider keinen Spielraum, weshalb sich die Gemeinde nicht am Kastrationsprojekt des Landes Niederösterreich beteilige, erklärte er im Gespräch. Dass der Auftrag für das Einfangen und Kastrieren von der Bezirkshauptmannschaft kommt, ändert nichts an der Einstellung des Bürgermeisters.

Dass die Gemeinde die Kastrations-Förderung des Landes nicht unterstützen möchte, ist zwar eine traurige, aber doch legitime Entscheidung der Gemeinde. Ob es um die Finanzen der Gemeinde Pottendorf tatsächlich schon so traurig bestellt ist, dass der „Gemeinde-Anteil“ von gut 32 Euro (netto) für die Kastration einer Streuner-Katze bzw. nicht einmal 17 Euro (netto) für die Kastration eines Streuner-Katers nicht mehr getragen werden können, wissen wir nicht. Auch wenn es sich, wie hier um neun Streuner handelt, wären die anteiligen Kosten der Gemeinde doch in einem sehr überschaubaren Rahmen geblieben, erklärt Marcus Serringer die finanziellen Rahmenbedingungen der Kastrations-Förderung.

Ohne dem „Gemeindeanteil“ könne auch das Land Niederösterreich seinen Anteil an dem Kastrationskosten-Zuschuss nicht übernehmen erklärte man im zuständigen Referat der Landesregierung. Alternativen? Leider keine, die Regelung ist, wie sie ist. – „Kommt uns bekannt vor. Auch die Regelung, die den Aufbau einer Tierrettung in Niederösterreich verhindert, ist, wie sie ist und kann anscheinend leider nicht geändert werden…“ ergänzt Serringer.

Aufwand und Kosten bleiben bei den ehrenamtlichen TierschützerInnen hängen

Aber zurück zu den Streuner-Katzen in Pottendorf. Der gesamte Aufwand und alle Kosten wurden von der Behörde elegant an den kleinen Verein „Streunerpfoten Thermenregion“ abgetreten. Hilfe für den Verein gab es nicht in Form von Förderungen oder Zuschüssen, sondern durch einen anderen Tierschutzverein. Tierschutz Austria ist eingesprungen und unterstützt.

„Noch nie habe ich von einem der Tierschutzvereine oder Gnadenhöfe mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten gehört „können wir nicht“ oder „geht nicht“. Vollkommen egal, ob ein alter, schwer kranker Streuner einen Lebensplatz auf einem Gnadenhof gesucht, oder eine verletzte Wildgans einen ruhigen Pflegeplatz gebraucht hat, um sich von Ihren Verletzungen zu erholen. Es wird immer ein Weg gefunden, wie dem Tier geholfen werden kann. Warum? Weil sich die Tierschutz-Vereine jeden Tag auf’s Neue für den Tierschutz einsetzen, während die verantwortlichen PolitikerInnen nett von bunten Foldern lächeln.“ schließt Serringer ab.

Mahatma Gandhi sagte einst: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt“. – Wir sind schon ein kleines Land, aber im Sinne von Mahatma Gandhi sind wir wohl eine Zwergen-Nation…

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