Der Rottweiler „Jimmy“ musste heute sterben, weil die FPÖ Niederösterreich immer noch den Aufbau einer Tierrettung in Niederösterreich wegen einem sinnlosen Absatz in einer Verordnung, die mittlerweile über 30 Jahre alt ist, blockiert.
Jimmy brach beim Spazierengehen zusammen
Jimmy, ein sechsjähriger, eigentlich gesunder Rottweiler, war heute, wie jeden Tag, mit seinem Herrchen auf der Hundewiese in Trumau (NÖ, Bezirk Baden) als er plötzlich zusammenbrach. Sein Besitzer stellte fest, dass er seine Hinterbeine nicht mehr belasten konnte. Da er den rund 50 kg schweren Hund allein nicht tragen konnte und selbst kein Auto besitzt, versuchte er, telefonisch Hilfe zu holen.
Tierschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) verhindert Tierrettung immer noch
In Niederösterreich leider nach wie vor kein einfaches Unterfangen, da die FPÖ-Niederösterreich, im Konkreten die verantwortliche Tierschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz, den Aufbau einer Tierrettung bereits seit vielen Jahren verhindert und blockiert – mehr dazu auf www.tierrettung-noe.at. Jimmys Herrchen fand zwar rasch die Telefonnummer der Österreichischen Tierrettung (ÖTR), die er um 12:50 erstmals telefonisch kontaktierte. Da die ÖTR in Niederösterreich aber wegen der oben erwähnten Verordnung nicht tätig sein kann, konnte diese nur mit einer Reihe von Telefonnummern lokaler Tierärzte weiterhelfen.
Fast eine Stunde telefonische Suche, bis jemand half
Fast eine Stunde telefonierte Jimmys Herrchen verzweifelt eine Telefonnummer nach der anderen ab, niemand konnte, oder wollte helfen. Zwischen den Telefonaten eilte er immer wieder nach Hause, um Decken und Wasser zu holen. Mit einem auf der Hundewiese stehendem Tisch und den Decken verschaffte er Jimmy etwas Schatten, mit Wasser versuchte er Jimmy so gut es ging zu kühlen, immerhin hatte es zu der Zeit bereits rund 35 Grad!
Um 13:43, fast Stunde nachdem Jimmy, vermutlich wegen eines Bandscheibenproblems, zusammenbrach, läutete unsere Notfallnummer. Bereits wenige Minuten später machten wir uns – erneut mit dem Privatauto und ohne Blaulicht – auf den Weg zu Jimmy.

auf dieser Hundewiese in Trumau (NÖ) musste Jimmy sein Leben lassen, weil es keine Tierrettung gibt, die rechtzeitig hätte helfen können – Bild (c) google-maps
Jimmy starb kurz bevor Hilfe eintraf
Als unser Geschäftsführer und Mitglied unseres Notfall-Teams, Marcus Serringer, der seit einem viertel Jahrhundert ehrenamtlich in der (Menschen) Notfallrettung und bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig ist und entsprechende Einsatzerfahrung vorweisen kann, eintraf, war Jimmy bereits tot. Sein sichtlich vom plötzlichen Verlust seines treuen Begleiters gezeichnetes Herrchen berichtete, das Jimmy wenige Minuten vor unserem Eintreffen aufgehört hat zu atmen – wieder nur wenige Minuten, aber leider zu lange, um Jimmy noch helfen zu können. Jimmy hatte, trotz aller Bemühungen seines Herrchens, ihn zu kühlen, in der einen Stunde, die sein Herrchen verzweifelt versuchte eine Tierrettung, die es wegen der Untätigkeit der Niederösterreichischen Landesregierung immer noch nicht gibt, wohl einen Hitzschlag erlitten, an dem er schlussendlich verstarb.
Dieser tragische Einsatz zeigt einmal mehr, wie die blockierende Haltung der Niederösterreichischen Landesregierung beim Thema Tierrettung zu vermeidbarem und unnötigem Leid bei Tier – und Mensch! – führt und dass hier aufgrund des Unwillens einiger weniger PolitikerInnen Tiere oft nicht nur vollkommen unnötig lange Schmerzen ertragen müssen, sondern es immer wieder Fälle gibt, wo eine Tierrettung rasch helfen und Leben retten hätte können.
Tierrettung wäre möglich, wenn das Land Niederösterreich nicht blockieren würde
Viele Tierbesitzer, darunter auch Jimmys Herrchen, werden sich des Problemes oft erst bewusst, wenn ihr Tier plötzlich notfallmedizinische Hilfe benötigt. Sei es, aufgrund eines Unfalls oder aufgrund eines internistischen Problems – wenn jede Sekunde zählt, ist nicht eine Stunde Zeit, um Hilfe zu finden! Dann erst stellen viele Besitzer fest, dass ihr Haustierarzt in der Nacht oder am Wochenende nicht erreichbar ist, die nächste Klinik vielleicht gerade an diesem Tag doch nicht offen hat, oder man das – vielleicht schwer verletzte – Tier garnicht selbst transportieren kann. In fast allen anderen Bundesländern, gibt es eine Tierrettung, die einem solchen Fall zur Stelle ist und rasch und kompetent hilft – leider lebete Jimmy aber in Niederösterreich, dem Bundesland, das eine Tierrettung immer noch verhindert.
Ergänzung
Aufgrund der enorm vielen, teils äußerst emotionalen und oft sehr subjektiven und unsachlichen Postings in verschiedenen sozialen Medien, möchten wir zu den häufigsten „Hinweisen und Vorschlägen“ ein paar erklärende Worte festhalten:
Warum geht man in der größten Mittagshitze mit dem Hund spazieren?
Der Besitzer hat seine tägliche Runde lt. eigener Auskunft – wie immer – gegen 09:00 begonnen. Um diese Zeit war es auch an diesem Tag noch angenehm. Der Hund muss irgendwann hinaus und weder die ursprüngliche Uhrzeit noch die Temperatur zu dieser Zeit sehen wir als problematisch an. Jimmy hatte wohl einen Bandscheibenvorfall – derartige Probleme sind, egal was die Züchter sagen, bei solchen Rassen nichts Ungewöhnliches, er ist aber leider für Jimmys Besitzer nicht vorhersehbar zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt passiert.
Diese Situation (Hund kann plötzlich nicht mehr stehen/gehen) ist für keinen Besitzer etwas, wo man mal ganz gelassen und emotionslos analysiert, eine Vakuummatratze, die man zufällig eingesteckt hat, auspackt, den Hund fachgerecht schient und heimträgt. Der Hund hatte Schmerzen, die Situation war für den Besitzer eine absolute Ausnahmesituation, er wollte seinem Tier rasch helfen. Dass man in so einem Fall zum Handy greift und versucht einen Tierarzt anzurufen ist mehr als verständlich.
Leider – und das ist dem Umstand geschuldet, dass es in Niederösterreich für Tiere keinen Rettungsdienst wie für uns Menschen gibt – ist es, vor allem an einem Sonntag oder in der Nacht nicht einfach, rasch kompetente Hilfe zu finden.
Für uns ist der Vorfall erst ab dem Zeitpunkt durchgängig dokumentiert nachvollziehbar, als der Besitzer sich das erste Mal an die Österreichische Tierrettung gewandt hat, weshalb wir uns in unserem Bericht auf die Darstellung genau dieses Zeitraums von rund einer Stunde beschränkt haben. Das dürfte aber rund eineinhalb Stunden, nach dem Auftreten des Problems gewesen sein. Bis dahin hatte der Besitzer schon versucht, zahlreiche Tierärzte und Kliniken zu kontaktieren. Die ÖTR darf – eben, weil die „Tierschutzbeauftrage“ des Landes Niederösterreich, Fr. Susanne Rosenkranz, dies vehement blockiert, in Niederösterreich nach wie vor keine Einsätze fahren.
Die Zeit ist immer weiter fortgeschritten, die Temperatur gestiegen – dass Herrchen und Jimmy um die Mittagszeit noch draußen sind, war so nie geplant, hat sich aber leider ergeben, weil der Besitzer keine Hilfe finden konnte.
Warum ruft man nicht einfach ein Taxi?
So einfach ist das nicht. Zum einen muss man erst einmal ein Taxi finden, das einen 50kg Rottweiler überhaupt mitnimmt. Der Hund gehört
- fachgerecht geborgen – Wir gehen aufgrund der Beschreibung des Besitzers von einem Bandscheibenvorfall aus. Man kann den Hund dann nicht einfach aufheben und in den Kofferraum eines Taxis legen. Die Wirbelsäule gehört stabilisiert/möglichst wenig bewegt. Hierfür gibt es eigene Rettungsmittel. Ein Taxi hat weder die Gerätschaften noch (wenn nicht zufällig ein ausgebildeter Sanitäter das Taxi lenkt) das Fachwissen, hier eine korrekte Bergung, die an der Wirbelsäule nicht noch mehr Schaden anrichtet, durchzuführen.
Ja, es wäre wohl besser gewesen, den Hund dort – auch „unprofessionell“ weg zu transportieren – besser gelähmt als tot – aber, dass ein Besitzer in einer solchen Ausnahmesituation nicht alle Eventualtäten erkennt und abwägt ist einfach menschlich. Niemand, der nicht regelmäßig mit Notfällen zu tun hat, könnte das und auch professionellen Rettern sei in Erinnerung gerufen: ein Einsatz mit einem verletzten Familienmittglied ist ganz was anderes als die Einsätze, die wir sonst abarbeiten – auf für Profis! - hat der Hund Schmerzen – Ein Rottweiler mit Schmerzen, überhaupt, wenn er unprofessionell bewegt wird, ist nicht einfach zu handeln. Auch ein sehr hilfsbereiter Taxifahrer wird – aus reinem Selbstschutz – sehr vorsichtig, wenn überhaupt beim Verladen des Hundes helfen um nicht selbst gebissen zu werden, womit wir wieder bei Punkt 1 wären.
- wohin fahren? – Die wenigsten Tierärzte können ein solches Problem in einer einfachen Ordination tatsächlich effizient behandeln/lösen. In den größeren Kliniken der Umgebung hätte man den Hund wohl angenommen und zumindest einmal mit Schmerzmitteln behandeln können, aber auch in diesem Fall wäre zuerst Punkt 1 und Punkt 2 zu lösen gewesen.
- wie sicher transportieren? – Selbst wenn die Punkte 1 bis 3 geklärt gewesen wären: ein 50kg Hund sollte nicht einfach auf der Rückbank transportiert werden. Der Taxilenker muss seine Fahrgäste und allfälliges weiters Transportgut korrekt sichern – sonst riskiert der Taxifahrer seinen Führerschein und damit seine Einkommensgrundlage – ob er das macht?
Mein Tierarzt kommt immer
Das wage ich tatsächlich zu bezweifeln. Zwar gibt es gottseidank noch einige Tierärzte, die sich tatsächlich die Mühe machen, zu ihren Patienten zu fahren, aber kein Tierarzt wird eine laufende Ordination verlassen und seine dortigen Patienten, zwei, vielleicht sogar drei Stunden warten lassen, um zu einem akuten Notfall auszufahren. Wenn ein Tierarzt (in der Regel außerhalb seiner Ordinationszeiten) zu einem im Vorfeld vereinbarten Termin einen Hausbesuch macht, ist das ganz etwas anderes, weil planbar.
Auch wir können nicht immer ausfahren weil wir einen Betrieb aufrecht halten und unsere stationären Patienten versorgen müssen. Wenn wir ausrechend Personal im TMZT haben und die aktuelle Auslastung das zulässt, tun wir uns bestes, um – wo wie in diesem Fall – auch vor Ort zu helfen. Genau für diesen Teil der Rettungskette wünschen wir uns aber eine Tierrettung!
Es gibt so viele Ärzte, das kann ja nicht so lange dauern jemanden zu finden
Es war Sonntagmittag, schönstes Badewetter. Wir wissen nicht, welche Ärzte/Kliniken der Besitzer in den ersten eineinhalb Stunden versucht hat zu kontaktieren, wir wissen aber welche von der Österreichischen Tierrettung als Ansprechpartner in der Nähe genannt wurden, weil diese lt. eigener Angabe „Bereitschaft“ hatten und erreichbar sein hätten sollen. – waren sie nicht und bis der Besitzer die Liste bis zu uns „abgearbeitet“ und entweder niemanden erreicht oder eine Absage bekommen hat, ist wieder einige Zeit verstrichen, die Temperatur weiter gestiegen – ebenso wie der Stresslevel und die Verzweiflung des Besitzers – und schon war es Mittag…
In der Klinik xyz ist immer ein Arzt
Das mag sein, aber der Arzt kann dort nicht weg. Auch bei uns Menschen kommt nicht der Stationsarzt vom Spital, sondern der Rettungsdienst. Das Transportproblem – wofür es eben eine Tierrettung geben sollte – besteht trotzdem. Außerdem ist nicht überall, wo „Klinik“ draufsteht auch „Klinik“ drinnen. Nicht jede „Klinik“ in der Umgebung hat tatsächlich immer offen.
Was kann die FPÖ (Niederösterreich) dafür?
Tierschutz sollte kein Politikum sein – und schon Garnichts mit Parteipolitik zu tun haben! Fakt ist aber, dass in Niederösterreich das für den Tierschutz verantwortliche Ressort von der FPÖ, im Konkreten von Fr. Susanne Rosenkranz, besetzt ist. Ebendiese wehrt sich allerdings seit Jahren mit Händen und Füßen dagegen, dass hier – wie auch in anderen Bundesländern – eine Tierrettung aufgebaut wird. Die (Landes-) FPÖ hat diesen Posten mit Fr. Rosenkranz besetzt und ist daher selbstverständlich für deren Handeln, oder in diesem Fall vielmehr ihrem „Nicht-Handeln“ politisch verantwortlich.
Zusammenfassung – was hier alles traurig ist
Ja, es waren einige ungünstige Umstände, die schlussendlich zum tragischen Tod von Jimmy geführt haben, dem Besitzer kann man aber keinen Vorwurf machen. Er hat alles in seiner Macht stehende unternommen um Hilfe für Jimmy zu holen. Als er merkte, dass das wohl nicht so einfach wird, hat er versucht, Jimmy in den Schatten zu legen und ihn so gut es eben auf „freiem Feld“ (ohne Gartenschlauch, Wasseranschluss, …) geht, zu kühlen.
Für den Besitzer war das eine emotional und körperlich enorm anstrengende Zeit, trotzdem hat er nicht aufgegeben!
- Traurig ist, dass so viele nicht helfen konnten/wollten.
- Traurig ist, dass es jetzt so viele Personen gibt, die mit – teil vollkommen aus der Luft gegriffenen – Behauptungen und Anschuldigungen, ohne die tatsächlichen Rahmenbedingungen zu kennen oder bedacht zu haben – jetzt einen regelrechten Shitstorm auslösen, der vollkommen ungerechtfertigt ist.
Alle die schreiben, dass man „nicht auf Tierrettungen losgehen soll“ haben sowieso nicht begriffen, was in dem Bericht steht. - Traurig ist, dass die verantwortliche Tierschutz-Landesrätin behauptet, dass es sich um einen „tragischen Einzelfall“ handelt (siehe „Heute“-Bericht vom 12.08.25: https://www.heute.at/s/fast-eine-stunde-keine-hilfe-erreicht-hund-jimmy-tot-120124213), denn das tut es nicht. Es ist nur einer von vielen vermeidbaren Todesfällen von Tieren, der den Weg in die Medien geschafft hat, aber mit Sicherheit kein „Einzelfall“.
- Traurig ist, dass die verantwortliche Tierschutz-Landesrätin weiterhin behauptet, dass eine Tierrettung in Niederösterreich nicht möglich und nicht finanzierbar sei – beides stimmt nicht und zur Finanzierung einer, über Mitgliedsbeiträge und Spenden, mit viel ehrenamtlichem Engagement betriebenen, Tierrettung trägt weder der Bund noch das Land Niederösterreich etwas bei. – Was für sich selbst schon sehr, sehr traurig ist, besonders, wenn man sich z.B. anschaut, welche Beträge im selben Bundesland jährlich für die „Gestaltung von Kreisverkehren“ ausgegeben werden.





