Ende Mai begann die Geschichte von Goliath mit einem Anruf auf unserer Notfallnummer. Um die Mittagszeit wurden wir telefonisch über ein verletztes Reh direkt an der B210 im Helental verständigt. Nach kurzer Abstimmung brachte die Finderin das verletzte „Reh“ zu uns.
vermeintliches „Reh“ stellte sich als Hirsch-Kalb heraus
Als wir das vermeintliche „Reh“ sahen, stellte sich heraus, dass es kein ausgewachsenes Reh, sondern ein ganz junges Hirsch-Kalb war, das hier gefunden wurde. Bei der Untersuchung stellten wir neben einigen kleineren Verletzungen fest, dass beide Linsen nicht dort waren, wo sie eigentlich hingehören, der kleine Hirsch also nur sehr unscharf, wenn überhaupt, sehen konnte.
Diagnose „Linsenluxation beidseits“ – Goliath wird nie richtig sehen können
Nach Erstversorgung bei uns, übernahm die Wildtier-Auffangstation Kaltenegger den kleinen Hirschen zur weiteren Pflege. Weitere Untersuchungen der Augen durch unsere Augenspezialistin und in weiterer Folge auch durch andere Spezialisten bestätigten jedoch unsere Erstdiagnose. Goliath, wie der kleine Hirsch mittlerweile von Claudia Kaltenegger getauft wurde, wird nie richtig sehen können. Ob es sich dabei um die Folgen eines Unfalls oder um einen angeborenen Defekt handelt, werden wir wohl nie vollständig klären können, es ändert aber auch nichts an dem Umstand, dass die Linsen in beiden Augen nicht an der vorgesehenen Stelle sind. Operativ kann das Problem leider auch nicht gelöst werden.
Goliath stellte uns alle also vor ganz neue Herausforderungen. Ein Hirsch, der nichts, bzw. nur sehr unscharf sieht, kann nicht einfach in einem beliebigen Gehege gehalten werden, viel zu groß wäre die Gefahr, dass er sich selbst oder einen seiner Pfleger verletzt, also begann die Suche nach einem geeigneten Lebensplatz für den jungen Hirsch.
Da Goliath mit seiner Größe die Möglichkeiten der Wildtier-Auffangstation bald an deren Grenzen brachte, durfte er vorerst zum Tierschutz Austria nach Vösendorf umziehen, wo man sich liebevoll um Goliath kümmerte.
Lebensplatz gefunden
Die Suche nach einem geeigneten Lebensplatz lief unterdessen auf Hochtouren weiter. Zahlreiche Medien berichteten über den „fast blinden Hirsch Goliath“ und seinen beeindruckenden Lebenswillen.
Am 6. September war es dann so weit – Goliath durfte in sein neues Zuhause übersiedeln. Im Tierparadies Schabenreith in Oberösterreich darf er im abgesicherten „Rehwald“ zusammen mit den beiden Rehkitzen Muddel und Vegan aufwachsen und ein so artgerechtes Leben führen, wie es für den fast blinden Hirsch möglich ist.
Wir freuen uns sehr, dass Goliath gut drei Monate, nachdem uns verletzt vorgestellt wurde, einen so schönen Lebensplatz gefunden hat und dass sich so viele Menschen dafür eingesetzt haben, das er diesen schönen Platz bekommen hat!
Medienberichte
- https://www.heute.at/s/fast-blindes-rothirschkalb-findet-neues-zuhause-120129813
- https://www.tips.at/nachrichten/oesterreich/oesterreich-welt/693724-goliath-der-fast-blinde-hirsch-der-allen-zeigt-was-lebenswille-bedeutet
- https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20250813_OTS0019/fast-blinder-hirsch-goliath-kaempft-sich-ins-leben-zurueck
- https://www.vienna.at/fast-blind-aber-tapferer-hirsch-goliath-will-leben/9605258
- https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/blinder-hirsch-goliath-kaempft-sich-in-tierschutzhaus-voesendorf-zurueck-ins-leben/403072055





